Überflüssiger Müll im Code kann weg

Meine Vorstellungen einer minimalen Website

Die Seite war aber jetzt schnell da, was? Kunststück! Sind ja auch nur knapp 53KiB gewesen (Bild 38Kib, Content-Text 10,6Kib und 0,58Kib die CSS-Datei und nur wenig Overhead). Das wars! Und – huch? – es gab auch nix nerviges wegzuklicken…

Warum mache ich so was?

Die meisten »modernen« Websites nerven mich total! Erst darf ich dank fettem CMS und überlasteten Server eine gefühlte Ewigkeit auf die Seite warten. Dann muss ich einen Urwald von bildschirmfüllenden Anmelde-, Cookie-Genehmigungs- und Benachrichtigungs-Popups wegtreten, um dann in der irgendwann sichtbar gewordenen unendlichen Werbewüste nach dem bisschen Inhalt zu suchen der mich interessiert… bis mir vom klicken und scrollen der Finger abgefallen ist.

Ich habe keinen Schimmer, was ihr so im Web macht, aber ich suche im Web fast ausschließlich nach Informationen (meist im Bereich Bildung und Wissen). Sei es unterwegs mit dem Smartphone oder zu Hause am Desktop; ich hasse alles, was sich zwischen mir und der gesuchten Information stellt (überflüssige Werbung, »cooles« Design und Bürokratie)!

Design

Ich bemühe ich mich den Inhalt meiner Website möglichst einfach zu halten und schnörkellos darzustellen (KISS-Prinzip). Der Rahmen soll möglichst unsichtbar bleiben und nicht ablenken. Ich möchte keine “schöne” Website machen, sondern Inhalte darstellen!

Quellcode

Seit einigen Jahren versuche ich auch den Quellcode möglichst einfach zu halten. Diese Website hier ist mein Experimentierfeld.

Warum denn den Quellcode klein halten? Schließlich haben wir alle genug Bandbreite, RAM und Speicherplatz, oder?

Zuvor ein paar Fakten:
Laut http archive ist eine durchschnittliche Website im Jahre 2019 etwa 2000KiB groß. Diese würde mich pro Klick mobil 1,2 Cent kosten** und die Umwelt mit etwa 1,3g CO² belasten*.

Ich sehe da mehrere Aspekte:

Mobile Kosten:
Über 60% der Zugriffe auf meine Websites kommen mittlerweile von mobilen Geräten. Und mobil zahlt man noch immer für jedes Megabyte. Das laden dieser Website auf mein Handy kostet mich 0,03 Cent** (1/40 einer durchschnittlichen Website des Jahres 2019).
Ladezeiten:
Je nachdem was auf dem Server sonst noch so los ist, kann es auch schon mal sein, das es eine nicht unerhebliche Zeit dauert, bis das CMS eine Seite zusammengebastelt hat. Und/oder es dauert ewig und drei Tage, bis man die fette Website durch irgendein Nadelöhr im Netz gezogen hat, weil man beispielsweise gerade in der Pampa im Zug sitzt.
Umweltbelastung:
Diesen Aspekt haben die meisten noch nicht so auf dem Schirm. Mittlerweile (Stand 2019) produziert das Internet soviel CO² wie der internationale Flugverkehr! Der Klick auf diese Website hat gerade mal 0,03g CO² produziert*! Ich kann diese Seite über vierzig mal aufrufen, bis ich den CO² Wert eines Klicks auf eine durchschnittlichen Website des Jahres 2019 erreiche.

Und wie sieht das jetzt konkret aus?

Ich versuche diese Website also so zu gestalten, wie ich selber eine Website gerne vorfinden würde:

Das heißt:

Dafür ist die Website so nebenbei:

Und? Fehlt euch hier wirklich etwas essenzielles um diesen Artikel bequem lesen zu können (abgesehen vom »Coolness-Faktor«)?

Eigentlich reicht schon HTML

HTML bietet alles was man für einen Artikel braucht. Ich kann:

Überschriften setzen, Absätze/Umbrüche erstellen, Text fett und kursiv auszeichnen, mit Hyperlinks auf eine andere Seite/einen anderen Artikel verweisen, es gibt geordnete und ungeordnete Listen, Zitate, Codeblöcke, Definitionslisten, Tabellen, und Bilder kann ich auch einbinden.

Das einzige was einem Vielschreiber fehlen könnte, wären Fußnoten. Aber auch das lässt sich mit Links und IDs verwirklichen, ohne weitere Hilfsmittel leider nur mit Gefummel (Hilfsmittel: Man verwendet – wie ich – markdown+pandoc). Im Großen und Ganzen hat man aber eigentlich alles um einen Artikel zu schreiben.

So würde diese Seite in reinem HTML aussehen! Vielleicht ein wenig rustikal, aber alle Informationen sind erreichbar.

Jetzt kommt noch eine kleine Prise CSS

Ein Minimum Usability scheint mir aber sinnvoll. Neben ein paar Kleinigkeiten finde ich vor allem folgendes wichtig:

Die Zeilenlänge begrenzen:

Habt ihr schon mal einen längeren Text in normaler Schriftgröße auf ganzer Browserbreite gelesen? Das ist verdammt anstrengend, weil man ständig die Zeile verliert (hier ein Beispiel). Natürlich könnte man auch das Browserfenster kleiner machen – aber wer macht das schon? CSS-Gegenmittel (37 Byte):

body{
margin: 0 auto;
max-width: 48em;}
Bildergröße anpassen:

Damit sich Bilder auch an kleine Bildschirme wie Smartphones anpassen können, nehmen wir folgenden CSS-Code (38 Byte) dazu:

img {  
max-width: 100%; 
height: auto;}
Menu-Links zu großen Schaltflächen machen:

Das Menu soll auf einem Smartphone mit den Fingern bedienbar sein (122 Byte):

nav ul li a {  
display:block;
border-radius:1em;
border:1px solid grey;
font:700 1.1em;
margin:.6em;
padding:.4em .8em;}

So sieht die gesamte CSS-Datei (579 Byte) aus.

Werkzeuge

Um den Ressourcenverbrauch meiner Website zu testen und Schwachstellen zu finden nutze ich folgende Tools:

Andere Ufer

Auf der Suche nach Vorlagen und Anregungen bin ich leider nur auf wenige Seiten gestoßen, die einen ähnlichen KISS- und/oder Minimal-Code-Ansatz verfolgen wie ich. Die meisten Seiten die ich finde, wenn ich »minimale Website« oder ähnliche Suchbegriffe verwende, sind höchstens vom Design her minimal (meistens nicht mal das). Möglicherweise habe ich aber auch einfach noch nicht die richtigen Such-Phrasen gefunden…

Motherfucking Website
Das ist die minimalste Website die ich gefunden habe. Pur HTML ohne CSS. Abgesehen von der fehlenden Textbreiten-Begrenzung, kann man sie doch gut lesen, oder? Leider wurde die Navigation völlig ausgeblendet. Ja, ich weiß, das dass eine Satire ist… ich finde, er hat trotzdem recht!
Größe=22KiB, mobile Kosten=0,012Cent, CO²=0,01g.
Fefes Blog
Den Blog kenne ich schon länger. Info pur! Das einzige was mich stört, ist das die Zeilen über die ganze Browserbreite gehen. Übrigens ein gutes Gegenbeispiel zu der Theorie, das man ohne ansprechendes Layout keine Reichweite aufbauen könne.
Größe=6KiB, mobile Kosten=0,003Cent, CO²=0,001g.
LOW←TECH MAGAZINE
Diese Seite wird auf einem kleinen Einplatinencomputer ala Raspberry Pi betrieben, der an einer Batterie hängt, die mit einem 50W-Solar-Panel geladen wird. Nicht ganz mein Minimal-Ansatz (alleine die CSS-Datei könnte man – meiner Meinung nach – noch mal locker halbieren, ohne viel Funktion zu verlieren), aber einige interessante Ideen. Und die erste Website die ich gefunden habe, die auf Energieverbrauch optimiert ist.
Größe=346KiB, mobile Kosten=0,202Cent, CO²=0,21g.
Wholegrain Digital
Diese Webdesign-Agentur hat es geschafft, trotz Wordpress eine erstaunlich ressourcenschonende Websites zu erstellen.
Größe=383KiB, mobile Kosten=0,226Cent**, CO²=0,19g*.

Kritik

Klar, es gibt eine Menge Seiten, wo mehr Aufwand durchaus gerechtfertigt ist. Ich nutze tatsächlich einige davon! Und ja, auch ich möchte nicht den Amazon-Shop in HTML/CSS pflegen müssen…

Bitte

Bitte gebt mir Bescheid! Danke! Ich fühle mich – was dieses Thema angeht – so alleine auf der Welt…


*Die CO²-Werte wurden mit dem Tool Website Carbon Calculator errechnet.

**Was mich ein Klick auf eine Website mobil kostet, hab ich folgendermaßen berechnet. Ich zahle mobil 3€/Monat für 500Mb (2019). Jedes runtergeladene Megabyte kostet mich also 0,6 Cent.


H. Felder, Glasstr. 50, 51143 Köln, Mail: